r.i.p.

Abschied

der ostrich war einst ein fanzine mit dem versucht wurde, das unmögliche möglich zu machen. als das erreicht war, wurde es eingestellt.

im mai 2009 wurde der ostrich als web-organ wiederbelebt, weil beim betreiben des rondo-blogs situationen entstanden, die den rahmen des selben zu sprengen drohten: in einem museum kann man sich nicht ungestört unterhalten, über neuerscheinungen streiten oder zuviel persönliche meinung kundtun, ohne die ausgestellten exponate in mitleidenschaft zu ziehen.

in den letzten zwei jahren habe ich viele erfahrungen gemacht und einiges ausprobiert. das war eine art selbst-wieder-erfindung, die mir zugleich im historischen, als auch im aktuellen kontext unbezahlbare erkenntnisse geliefert hat, die ich in 1. linie ralf zu verdanken habe, der die ostrich-online-idee von technischer seite her freundschaftlich umsetzte.

inhaltlich stellte sich allerdings schon bald heraus, dass wir die sache unterschiedlich auffassen. während ralf weiterhin der nette mensch sein wollte, als den er sich bereits im eigenen blog darstellte, ging es mir um die wiederbelebung ursprünglicher ostrich-tugenden: das enthusiastische eintreten für den persönlichen geschmack und die verwendung eigener meinung als knallpistole gegen stiltechnische feindbilder gehörten genauso dazu, wie das beobachten und kommentieren der entwicklung von punk seit seiner entstehung bis heute.

häme, spott und s/w humor bildeten seit 1977 grundsätzliche bestandteile des ersten deutschen punk-fanzines und sollten nach meinem dafürhalten auch 34 jahre später noch im gleichnamigen weblog zu finden sein, - andernfalls bräuchte es nicht ostrich zu heissen.

dieses weblog hat aufgehört, ostrich zu heissen, als ralf mir mitteilte, dass wire seine guten bekannten wären, und dass er nicht möchte, dass in diesem blog etwas negatives über sie erscheint, was sein verhältnis zu ihnen beeinträchtigen könnte.

für den ostrich rangieren werke über personen und er behält sich das recht vor, schlechte werke guter freunde entweder totzuschweigen oder zu verreissen, wie es zb den fehlfarben und peter hein schon geschah, oder andernfalls die gute musik seiner feinde über den grünen klee zu loben, wenn es ihm aus ästhetischen gründen angebracht erscheint. als masstab zählt beim lästern wie beim loben das engagement für eine sache, das sich in wort, bild und ton auf dem schlachtfeld wiederspiegelt, und keine freundschaft, die man ausserhalb seines weblogs pflegt.

aus diesem und noch einigen anderen gründen ist die zusammenarbeit mit ralf seit geraumer zeit unfruchtbar für den ostrich, der sich hiermit bei den 30 bis 3000 besuchern fürs reinschauen bedankt, und sich von seinem eigenen namen verabschiedet, den er vielleicht unter veränderten umständen und an anderer stelle wieder annehmen wird.

ps:

ich kann es mir einfach nicht verkneifen, euch zum abschied auch noch kurz  gott zu zeigen, den ich neulich ebenfalls mal gesehen habe:

Ab2

Der Ostrich testet und flippert mal zwischendurch.

Hm, wir haben anscheinend Probleme, was das Hochladen von MP3s anbelangt, also hier ein kurzer Test mit dem ollen Flipper von ST42.

St42

 

Flipper 2010:

(2010: Ralf Zeigermann, Gitarre / Maya Newman, Bass / Renate Zeigermann, Gesang + Schlagzeug / Colin Newman, Gitarre und Produktion)
 

Flipper 1982:

(1982: Ralf Zeigermann, Gitarre / Uwe/Ute Düsterhöft, Bass / Nick, Schlagzeug / Renate Zeigermann, Gesang)


 
Flipper 1978:

(1978: Ralf Zeigermann, Gitarre / Chris Blondell, Bass / Renate Zeigermann, Schlagzeug / Thomas Müller, Gesang)

john cale

tauschte 1972 das cover-artwork seiner dritten lp academy in peril  mit andy warhol gegen die verwendung von teilen der musik als soundtrack im film heat:

bei den sessions zu helen of troy, an denen auch chris spedding beteiligt war (siehe einige posts tiefer), wurden 1975 drei stücke aufgenommen, die es nicht auf die lp schafften:

John_cale

nummer eins erschien 1977 auf dem sampler guts:

 

nummer zwei ist dieses beach boys-stück. die davon existierende john cale-studioversion scheint nie in umlauf gekommen zu sein.

willow weep for me  ist das dritte stück, von dem es ebenfalls eine cale-aufnahme von 1975 geben soll. sie gilt genau wie die vorige als bisher unveröffentlicht und taucht unseres wissens auf keinem bootleg auf. angeblich spielte cale den song 1974/75 öfters live.

als kleine überraschung stellte sich heraus, dass der anfang dieser piano-version (über die sich spedding und cale sogar in einem interview unterhalten) grosse ähnlichkeit mit dem dem anfang von dirty ass rock'n'roll  (auf slow dazzle, 1975) aufweist.

besser als ihr ruf

waren die anfänge von roxy music. sie begannen zur glam-zeit mit experimentell angehauchtem retro-rock, waren aber eher camp, weil sie fast ohne plateauschuhe auskamen und eno bereits 1972 eine halbglatze hatte, was sie zu intellektuell machte, um neben t-rex und sweet zu lieblingen des volkes zu werden. den verfasser dieser meldung beeindruckten sie aber sogleich beim erwachen seiner musikalischen interessen, was an den bildern links hinter ihm an der wand auf diesem foto vom mai 1975 sichtbar ist.

Mai_1975

die roxy music- covergestaltung war während der pubertät eine spannende sache. ihre dritte lp war gerade erschienen und stellte in dieser hinsicht einen nie mehr erreichten gipfel dar. fast schon erreichbar für seine gitarrenkünste, gefiel dem autor beim kampf mit der akne folgendes stück von country life am besten:

kraftfahrzeuge & ödnis

wurden weltweit um 1977 als stilmittel populär. taxi driver sieht als video zu ghost rider leider nur noch nach choreografie mit viel ketchup aus, - ist aber ein empfehlenswerter film, wenn es um das damals noch fast unbekannte gefühl geht, in dem die musik von suicide ihren ursprung hat. trotzdem gibt es ein element, das dem film fehlt, aber bei suicide vorhanden ist: der bezug zum dunklen sumpf amerikanischer junkie-kultur, der bereits vorher von william burroughs in die literatur - und deutlich später von velvet underground und stooges in die rockmusik eingeführt wurde.

ebenfalls mit burroughs (dabei ging es eher um die cut-up-technik), hatte es genesis p. orridge, der seit ende der 60er in england eine dem wiener aktionismus verwandte extremkunst betrieb, zu deren harmloseren spielarten auch mail-art zählte, im zuge derer er schon frühzeitig kontakt mit gott und der welt pflegte. das auftauchen von throbbing gristle im herzen von punk vollzog sich mit ihrer ersten single united, die zu den pionierleistungen elektronischer tanzmusik gezählt wird und einen bis dahin nicht gekannten höhepunkt textlicher ödnis darstellte, den genesis p. orridge als androgyne frontfigur mit unschlagbarem watschengesicht auf äusserst provokante weise erklomm.

ausserdem hatten es mit burroughs mitte der 70er auch david bowie und patti smith, was sich bei beiden auf unterschiedliche art äusserte: bowie zerschnitt seit diamond dogs seine texte und patti smith, die übrigens auf dem cover von horses (prod.: john cale) für 1975er-verhältnisse ebenfalls höchst androgyn wirkte, liess sich gerne neben burroughs fotografieren.

die letzten beiden tonbeispiele zeigen, wie rasant extreme ideen damals salonfähig wurden, haben aber nichts mehr mit burroughs zu tun, der für dergleichen schon zu alt war und sowieso eher zu schusswaffen neigte. was jedoch autos betrifft, so wurden bereits äusserst kontroverse standpunkte geäussert: die buzzcocks sangen i hate fast cars und die maniacs i wanna get you in my automobile, - jedenfalls gehörte das auto seit seiner erfindung zur apokalypse, die sich überall durchpauste.